Lebende Steine

Viele kennen  Sukkulente Pflanzen mit dem Namen „Lebende Steine“ im botanische Sinne heißen sie Lithops.
Der Gattungsnamen setzt sich zusammen aus den griechischen Worten lithos für „Stein“ und opsis für „Aussehen“, was somit bedeutet: „sieht aus wie ein Stein“.
Diese Mimese, also die Anpassung an die Steine ihres Umfeldes, dient dazu sich vor Fressfeinden zu schützen.
Zwar gibt es im afrikanischen Museum von Johannisburg eine Zeichnung eines Lithops, von W. J. Burchell 1811 angefertigt, aber Nicholas Edward Brown benannte diese Gattung erst 1922 gültig.

Lithops localis©DornenProjekt.de


Das Verbreitungsgebiet ist recht groß, es gibt sie in Südafrika, Namibia und Botswana, wo sie in Quarzkies-Schotter wachsen.
Es sind schon mindestens 40 Arten von Lithops bekannt. Diese Pflanzen setzen sich aus zwei verwachsenen Blättern (Loben) zusammen, die wie ein geteilter Kegel aussehen, in Fachkreisen auch Kopf genannt.
Sie werden durch einen Spalt getrennt. Der obere Teil dieser Loben ist mehr oder weniger von durchsichtigen Bereichen durchsetzt, man nennt sie Fenster.

Lithops hallii, Blütenknospe kommt zwischen den beiden Loben hervor©DornenProjekt.de


Die Zeichnung, bestehend aus Linien oder Punkten, die in diesen Fenstern zu sehen ist, bezeichnet als Inseln. Diese Inseln dienen der Beschattung der Fenster, die das Sonnenlicht in den Pflanzenkörper einlassen, um eine Phothosynthese zu ermöglichen.
Die Blütezeit beginnt etwa ab August und dauert bis Ende Oktober Anfang November.
Aus dem Spalt zwischen den Loben wächst einmal im Jahr eine Blüte. Das Erblühen beginnt meist ab 13 Uhr bis gegen 18 Uhr, dann schließt sich die Blume und entfaltet sich am nächsten Tag wieder. Mit jedem neuen öffnen der Blüte wird sie etwas größer, bis sie nach einigen Tagen verwelkt.

Lithops erniae, die Blüte hat ihre volle größe erreicht und wird am nächsten Tag verwelken©DornenProjekt.de


Die Blütenfarben sind Weiß und Gelb, seltene Züchtungen bzw. auslesen blühen auch in Orange oder Rot.
Die Samenkapseln haben fünf, manchmal auch sechs Fächer. Sie öffnen sich, wenn Wassertropfen darauf fallen. Mit den nächsten Tropfen werden die Samen dann herausgeschwemmt, deshalb nennt man sie auch Regenschwemmlinge.
In der Natur ertragen die Pflanzen Höchsttemperaturen von über 50 °C und Tiefsttemperaturen, die
kurzzeitig an die -5 °C gehen können.
In Kultur überwintern sie am besten trocken bei 5 bis 10 °C. So stoppt das Wachstum in der Lichtarmen Zeit. Wichtig ist während der Vegetationszeit den hellsten Platz mit der besten Lichtausbeute anzubieten, sonst vergeilen die Pflanzen. Optimal ist es, wenn die Loben nur wenig aus dem Substrat herausragen.

Seltene erscheinung, ein Lithops otzenianum mit vier Loben©Kaktusmichel.de


Das Substrat sollte rein mineralisch sein und gut durchlässig.
Gedüngt wird nur einmal im Jahr und dann nur die Hälfte der angegebenen Düngermenge.
Die Hauptwachstumszeit beginnt ab Ende August bis in den Oktober hinein, dann sind die Vorjahresloben schon eingetrocknet (verbraucht) und es haben sich ein oder auch zwei neue Blattpaare ausgebildet. Jetzt können wir wieder etwas kräftiger gießen. Von April bis Juli nur sparsam und von November bis März gar nicht gießen. Bei guter Pflege kann solch eine Pflanze mit der Zeit größere Polster bilden und über 50 Jahre alt werden. Die Vermehrung erfolgt durch Samen oder auch durch Abtrennen einzelner Loben und deren Bewurzelung.

Verschiedene Arten der Lebenden Steine©Kaktusmichel.de

 Dazu passen der Vortrag am 31. Oktober 2019 im Michelstädter Hof.

Arno Schmidt Ausstellung

Heute dreht es sich in meinem Beitrag nicht um Kakteen oder andere Sukkulenten.
Oder sagen wir, nur am Rande um Kakteen.

Vor 3 Wochen kam eine Anfrage mit folgendem Wortlaut:

Im Rahmen eines studentischen Ausstellungsprojektes der Hochschule Darmstadt und der Technischen Universität Darmstadt zum Schriftsteller Arno Schmidt, suchen wir Kakteen für eine Leseecke,
Motto: „ Die Oase im Kaktus“
Schmidt setzte sich in seinen Werken gerne mit Kakteen auseinander und war selber großer Kaktusliebhaber. Hier ein kleines Zitat:

Das heimliche Zentrum für alle Guten ist eine »Oase im Kaktus«, ein »von der Natur gebildetes kreisrundes Becken«, ein »Heim, von einem ausgedehnten Kaktuswald umgeben«(…)”

Arno Schmidt: Reiten, reiten, reiten…

 

Arno Schmidt ©Suhrkamp Verlag
Arno Schmidt ©Suhrkamp Verlag


Äh wie bitte, das Anliegen ist einleuchtend aber das Zitat irritierend, oder?
Aber da ich gerne für was Neues offen bin, schlug ich ein Treffen mit Vincent, dem Verfasser der Mail, vor.

Welch Wunder es kamen 2 nette Studenten und keine vergeistigten Zukunfts-Literaten.
Schnell war die Idee als solche in einen ausführbaren Rahmen gesetzt.

Aber dennoch wollte ich mich gerne mit dem gefeierten Schriftsteller etwas auseinandersetzen.
Passt der überhaupt zu meinen Kakteen?
Zur Einstimmung bekam ich bei unserem nächsten Treffen ein Werk von Ihm überreicht, übrigens Danke für die tolle Widmung in dem Buch, Su.

TINA Insel-Bücherei Erschienen: 16.09.2013 Insel-Bücherei 1387, 87 Seiten, 14€ ISBN: 978-3-458-19387-6

Titel des Büchleins aus der Insel-Bücherei „TINA oder über die Unsterblichkeit, von Arno Schmidt “.
Es entstand während seiner Schaffenszeit in Darmstadt von 1955 bis 1958.
Also abends ran an die Lektüre, 2 Seiten gelesen, Stopp, wie schreibt der den, soll ich da weiterlesen?

Ok wir Kakteensammler sind eigentlich auch Exzentriker, gib dem Mann noch eine Chance. Er hatte während seiner Lebzeiten was für Kakteen übrig, wie ich.

Nach zweimaligen Lesen und langsamen Verstehen.
Hier das ganze mal in knappen Worten.
Um was geht es in dieser Erzählung?

Bei seinem abendlichen Spaziergang durch Darmstadt, trifft der Verfasser in einer Apotheke einen Mann der ihn in eine Parallelwelt für verstorbene Dichter und Denker einlädt.
Für ihn sind es nur 36 Stunden. Aber die anderen sind in dieser Welt so lange gefangen, wie ihre Namen in einem Schriftstück erwähnt werden. Was bei manchen auch nach tausend Jahren ganz schön frustrierend sein kann. Erst nach Tilgung aller Aufzeichnungen, die mit dem Namen in Verbindung gebracht werden, kann er diesen Ort für immer verlassen.
Zum Ende der 36 Stunden überdenkt er mit Tina auch eine verstorbene Schriftstellerin, dann einmal die Möglichkeiten einer solchen Zwangskerkerschaft. Allein durch die Erwähnung des Namens eines Schriftstellers in seinem eigenen Werk verlängert er die „Haft“ des „Opfers“. Das scheint ihm amüsant und verlockend. Er hätte da so einige auf Lager. Aber auch zur Vermeidung des Einzugs in diese Welt hat er Vorschläge.
Dazu sein Zitat:

„Aufs Dorf ziehen. Doof sein. Rammeln. Maul halten. Kirche gehen. Wenn n großer Mann in der Nähe auftaucht, in n Stall verschwinden: dahin kommt er kaum nach! Gegen Schreib= und Leseunterricht stimmen; für die Wiederaufrüstung : Atombomben!“

Gut, das Buch hat doch einen gewissen Sinn, den ich nun verstehe und es war gar nicht so schlecht.
Die Lesbarkeit des Buches ist etwas strittig und dabei gehört es sicher noch zu den leichter zu begreifenden Schriftstücken dieses Autors.
Meinetwegen darf er mit meinen Kakteen im „Elysium“ weiter schmoren.
Aber am Schreibstil müsste er noch Arbeiten :-), durch diesen Blogbeitrag hat er jetzt ja wieder Zeit dafür gewonnen.

Jetzt zur Ausstellung:

„Seltsame Tage“ von Arno Schmidt.

Zum 40. Todestag, erinnern die Technische Universität Fachbereich Architektur und Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt und die Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt an das Wirken des Schriftstellers in Darmstadt.

Dauer der Veranstaltung:
11. Oktober 2019 bis 5. Januar 2020

Öffnungszeiten
Mittwoch-Freitag 13:00 bis 18:00 Uhr
Samstag/Sonntag 11:00 bis 18:00 Uhr
ULB täglich 8:00 bis 20:00 Uhr

Veranstaltungsorte:
Campus Stadtmitte der Hochschule Darmstadt

Kakteenbeet in der Ausstellung ©Kaktusmichel.de

Halle 2 (S1|09)
Campusplatz
Magdalenenstraße 6
64289 Darmstadt

ULB Darmstadt
UG 1 – Ausstellungsbereich
Magdalenenstraße 8
64289 Darmstadt


Schauraum der Hochschule Darmstadt
Schöfferstraße 3
64295 Darmstadt

13 Schaufenster des Darmstädter Einzelhandels

Pflege von Kakteen und anderen Sukkulenten im Oktober

Entsprechend den Außentemperaturen und der kürzeren Tageslänge wird das Gießen jetzt reduziert, da das Substrat jetzt langsamer abtrocknet.
Solange kein Frost zu erwarten ist, wird das Gewächshaus noch regelmäßig gelüftet, dies trägt zur Abhärtung der Pflanzen bei.

Heizung überprüfen.

Ist die Heizung fit für die Wintermonate?
Jetzt haben sie noch Zeit einmal nach dem rechten zu schauen!
Wer bisher keine Heizung in seinem Gewächshaus hatte und sich mit dem Gedanken trägt dies zu ändern, hat noch die Gelegenheit dazu.

Elektroheizung für das Gewächshaus

Eine Heizung für das Gewächshaus.

Strom.

Ein mit Strom betriebenes Heizgerät ist am einfachsten zu installieren und beinhaltet nur geringe Anschaffungskosten. Die Folgekosten jedoch, für den Stromverbrauch, sind im Vergleich zu anderen Heizmethoden höher. Wenn ein solcher Heizer neu angeschafft wird, unbedingt darauf achten, dass es ein Gerät mit Metallgehäuse ist. Bei einem Kunststoffgehäuse kann es schnell mal zu einem Schmorbrand kommen, denn die Heizung läuft oft lange ohne Aufsicht. Es gibt Heizer speziell für Gewächshäuser die zur Steuerung ein Thermostat besitzen.
Oder ein separater Thermostat mit Thermofühler kann an der kältesten Stelle im Gewächshaus angebracht werden, um eine exakte Temperatur­steuerung durchzuführen.

Echinocereus scherii v. subterraneus ©KAKTUSMICHEL

Gas

Wenn kein Stromanschluss im Gewächshaus zur Verfügung steht, gibt es noch die Möglichkeit mit Gas zu heizen. Dafür werden ebenfalls geeignete Geräte angeboten. Die Gasheizung muss jedoch für den Gewächshausbetrieb konzipiert sein. Durch den Brenner wird der Umgebungsluft Sauerstoff entzogen, was bei einem sehr dichten Gewächshaus dazu führt, dass die Flamme bei Sauerstoffmangel ausgeht. Deshalb eine kleine Belüftungsöffnung vorsehen. Ein zusätzlicher Ventilator, angetrieben mit Solarstrom oder Batterien, kann die durch die Gas-Verbrennung entstehende höhere Luftfeuchtigkeit absenken.

Zentralheizung

Die Aufwendigste aber auf Dauer günstigste Alternative ist ein Anschluss an die bestehende Wohnhausheizung. So wird im Gewächshaus je nach Größe des Objekts ein oder mehrere Heizkörper installiert und diese über einen Thermofühler und Thermostat der Warmwasserzulauf reguliert. Um jederzeit, besonders aber im Winter über die vorherrschende Temperatur im Gewächshaus auf dem Laufenden zu sein, haben sich digitale Thermometer mit Sender bewährt. So kann auch über eine größere Distanz, in der Wohnung, jederzeit die Temperatur überprüft werden.

Isolation mit Luftpolsterfolie

Soll das Gewächshaus mit Luftpolsterfolie einpackt werden, die Folie überprüfen, ob sie noch einen Winter aushält oder neue besorgt werden muss.

Freiland


Für nässeempfindliche Pflanzen gegen Ende des Monats eine Überdachung anbringen, damit das Substrat gut abtrocknet und keine neue Feuchtigkeit dazukommt.

Zimmerkultur

 

Im Zimmer sind es über den Winter meist um die 20° C und mehr. Bei solchen Temperaturen kommen viele Arten im nächsten Jahr nicht zur Blüte. Besonders Kakteen profitieren von Wintertemperaturen zwischen 5 und 12° C bei völliger Trockenheit. Dies heißt dann, die Pflanzen für diese Zeit ins Treppenhaus, Keller oder in die Garage zu räumen. Jetzt den Platz dafür vorbereitet, um die Pflanzen gegen Ende des Monats an den Überwinterungsplatz zu bringen. Die Kakteen werden sich im darauf folgenden Jahr mit neuem Wachstum und reichem Blütenflor bedanken.

Huernia thuretii in Blüte

Allgemeine Pflege

Stehen Pflanzen als Sommergäste draußen im Freien, die Temperaturen im Auge behalten, da es im Oktober auch schon mal empfindlich kalt werden kann und mit den ersten frostigen Nächten zu rechnen ist. Das bedeutet aber nicht, dass schon alle Kakteen und andere Sukkulenten sofort eingeräumt werden müssen. Nur die empfindlichen Arten, die von ihren heimatlichen Standorten höhere Überwinterungstemperaturen gewohnt sind, sollten bei Temperaturen unter 15° C bereits im Winterquartier stehen.
Alle anderen Pflanzen können noch etwas draußen bleiben. Diese können notfalls mit einer Plane, einer Decke oder mit Luftpolsterfolie vor Kälteschäden geschützt werden. Legen Sie diese Hilfsmittel bereit, oft ist es nur eine Nacht in der die Temperatur so weit heruntergeht. Bei Kakteen, die beispielsweise ursprünglich aus den Hochlagen Südamerikas stammen, bekommen diese nächtlichen Abkühlungen, bei trockenem Stand, sehr gut.
Oft haben wir durch diese Abhärtung im nächsten Jahr dann bei Rebutia, Eriosyce, Tephrocactus und Co. einen besseren Blütenansatz.

Frithia pulchra in Blüte

Einwintern der Kakteen und anderen Sukkulenten

Beim Einräumen beachten, dass Pflanzen, bei denen der Erdballen sehr feucht ist, in einem kühlen Überwinterungslager das Substrat schlecht abtrocknen kann. Sie fangen dann schnell an zu faulen. Darum rechtzeitig an einem regengeschützten, luftigen Platz unterbringen, damit das Substrat abtrocknen kann.
Wenn, die Pflanzen trocken ins Quartier kommen können sie dann gut unter den Tischen im Gewächshaus den Winter überstehen.
Aber es genügt für die meisten Kakteen und anderen Sukkulenten auch ein frostfreier Raum der, wenn die Pflanzen absolut trocken stehen, auch ohne Zusatzbeleuchtung sein kann.

Praktische Lammellenlüftung. Gewächshausplaza

Frühbeetkasten oder Kleingewächshaus

Bei einer kleineren Sammlung funktioniert auch ein Frühbeet, dass im Winter zusätzlich mit Styroporplatten und mit Luftpolsterfolie verkleidet wird. Wenn, darin ein elektrischer Frostwächter installiert wurde, kann der Winter kommen.
In alten Berichten kann man lesen, dass solche Frühbeete mit Strohballen umstellt und der Deckel ebenfalls mit Stroh, Schilfmatte und Steinen bedeckt wurde. Die sukkulenten Pflanzen haben so, gut verpackt, den Winter überstanden. Diese Methode taugt wahrscheinlich nur bei Kakteen und anderen Sukkulenten, die auch mal einen leichten Frost vertragen können. Frühbeete gibt es als fertige Bausätze in verschiedenen Größen und Ausstattungen zu kaufen oder natürlich auch im Eigenbau.

Pleiospilos nelii Blüte

Keine ungebetenen Gäste mit einräumen.

Beim Einräumen auf Schnecken und anderes Ungeziefer achten, dass von draußen mit eingeschleppt wird, dies kann sich schnell im Winterquartier ausbreiten, da es oft aus mangelnder Kontrolle ungestört sein Unwesen treibt. Spinnmilben und Blütenthripse gehören auch zu diesen Schädlingen. Oft fallen diese kleinen Plagegeister mit der reichlichen Nachkommenschaft erst beim genaueren Betrachten der Blütenbilder am Bildschirm auf.
Siehe dazu auch meinen Blogbeitrag über Thripse
und Spinnmilben.