Grundlagen der Feldbotanik

Das Buch ‘Grundlagen der Feldbotanik‘, Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen, beinhaltet fast 2kg geballtes Wissen. Aufgeführt sind die häufigsten Familien und Gattungen mit vielen Arten, der heimischen und schweizerischen Flora. Der Inhalt soll die Basis bilden für den Prüfungsstoff der Schweizerischen Botanischen Gesellschaft und dem NABU/naturgucker zur Feldbotanik. Nicht erschrecken, für die geplante Exkursion muss der Wälzer nicht mit geschleppt werden, dazu gibt es eine App.

Klatschmohn Papaver rhoeas ©DornenProjekt
Klatschmohn Papaver rhoeas ©DornenProjekt

Botanische Grundlagen

Die ersten gut 30 Seiten befassen sich mit Pflanzenaufbau, -formen, unterirdischen Organen, Blättern, Blüten, Früchten, der Bestimmung und dem Naturschutz. Wie gehe ich vor, um die Vegetation eines bestimmten Abschnittes auf zu nehmen und noch vieles mehr. Hier steckt für den Laien schon einiges an Informationen drin, die man sonst nicht so detailliert präsentiert bekommt. Natürlich finde ich auch einiges an Systematik und Nomenklatur im Buch.

Helianthemum apenninum Sonnenröschen ©DornenProjekt
Helianthemum apenninum Sonnenröschen ©DornenProjekt

Familie, Gattung und Art

Was ich als gut empfunden habe ist, dass auch die deutschen Namen mit aufgeführt wurden. Ein Beispiel dafür: Familie – Narzissengewächse –, lateinische Bezeichnung – Amaryllidaceae –. Weiterhin gibt es ausführliche Informationen zu den aufgeführten Familien und Gattungen. Wichtige Merkmale sind hervor gehoben und zu alle dem gibt es gute Bildbeispiele. Des weiteren sind Vergleichstabellen mit guten Bildern angeführt um Verwechslungen mit anderen Arten bzw. Gattungen auszuschließen. Eine farbliche Kennzeichnung des Seitenrandes belegt, ob diese Systematik, Familie oder Gattung zum Prüfungsstoff gehört.

Globularia nudicaulis Kugelblume ©DornenProjekt
Globularia nudicaulis Kugelblume ©DornenProjekt

Anhang

Im Anhang der Abhandlung ‘Grundlagen der Feldbotanik’ sind weiterführende Literaturangaben, Kontaktadressen und eine Artenliste die Grundlage zur Feldbotanik-Ausbildung bildet, zu finden. Weiterhin sind in dieser Liste die Arten gekennzeichnet, welche in Deutschland bzw. Schweiz zur Prüfung des entsprechenden Zertifikates zu erlernen sind. Ganz am Ende ist eine tabellarische Auflistung zur Systematik der behandelten Familien nach APG IV zu finden.

Fazit

Diese Publikation ist sehr zu empfehlen, auch dann, wenn nicht unbedingt eine Ausbildung zur Feldbotanik angestrebt wird. Es enthält sehr viele Informationen und gutes Bildmaterial für jeden der sich besser in der heimischen Pflanzenwelt auskennen möchte, bereit. Ich konnte durch zu Hilfenahme des Buches bereits einige mir unbekannte Pflanzen bestimmen und das macht in meinen Augen ein gutes Grundlagen Buch aus.

Buchcover © Haupt Verlag
Buchcover ‘Grundlagen der Feldbotanik’ © Haupt Verlag

Ich vergebe 5 von 5 Punkten
erschienen ist das Buch + App im Haupt Verlag, Auflage 1 im Juni 2018
864 Seiten geballtes Wissen
Autorin: Rita Lüder
Preis: 58 Euro
ISBN: 978-3-258-08046-8

Bromelien, Lebenskünstler zwischen Himmel und Erde

Ananas comosus ‘Champaca’ @DornenProjekt

Die Wunderwelt der Bromelien, Experten was den Standort betrifft, ihre interessanten und ausgeklügelten Überlebensstrategien

Deuterocohnia brevifolia (Abromeitiella) @DornenProjekt

die sie sich in ihrer gesamten Entwicklungsdauer und -stufen angeeignet haben.

Cryptanthus acaulis var. rubra @DornenProjekt

Sie erfahren was zur Geschichte der Bromeliengewächse, über die Verbreitungsgebiete, die Lebensräume,

Lebensraum der Bromeliengewaechse @DornenProjekt

die Lebensweise und ihre Pflege.

verschiedene Tillandsien @DornenProjekt

Dauer ca. 45min
Sind Sie interessiert, dann senden Sie ein Mail an:
DornenProjekt(at)Kaktusmichel.de

Tillandsia jucunda @DornenProjekt

Die Schönheit der Sukkulenten im Nahbereich

Die Formen- und Farbenvielfalt der sukkulenten Pflanzen ist so unterschiedlich und deshalb Wert in einem Beamer-Vortrag den Fokus darauf zu legen.

Eulychnia castanea spiralis ©DornenProjekt

Ich versuchte dies dadurch, alles mal in einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Ceropegia conrathii ‘Kerzenlampe’ ©DornenProjekt
Echinopsis Hybride ‘Das Tanzpaar’ ©DornenProjekt

Das Ergebnis sehen sie in diesem kurzweiligen Bericht.

Euphorbia melanoformis ‘Gesicht’ ©DornenProjekt

Ausgeschmückt mit Informationen rund um das Hobby „Kakteen und andere Sukkulenten“.

Blüten von Mammillaria theresae ©DornenProjekt
geöffnete Fruchtkapsel von Pleiospilos bolusii ©DornenProjekt

Dauer ca. 45min
Sind Sie interessiert, dann senden Sie ein Mail an:
DornenProjekt(at)Kaktusmichel.de

Die Gattung Mammillaria

Heute möchte ich einmal auf die Gattung Mammillaria näher eingehen und etwas über ihre Entstehungsgeschichte und die verschiedenen Sichtweisen darauf erzählen.

Mammillaria candida (nach neueren Erkenntnissen jetzt wieder unter Mammilloydia geführt)

Bereits im Jahre 1753 vergab Linné (der Erfinder der Binären-Nomenklatur) den Namen Cactus mammillaris. Im Jahre 1812 stellte dann Haworth die Gattung Mammillaria im Synopsis Plantarum Succulentarum auf, um 3 Pflanzen mit Warzen und aus den Axillen blühend, nämlich Mam simplex, Mam prolifera und Mam discolor von der Gattung Cactus abzugliedern. Zuvor jedoch hatte

Mammillaria carmenae

Stackhouse (1809) eine Algengattung als Mammillaria benannt. Zum Glück setzte sich dieser Begriff in der Algensystematik nicht durch, denn jeder Gattungsname darf nur einmal vergeben werden.

Mammillaria carmenae ‘Rubrispina’

Mammillaria stammt vom lateinischen Wort ‘mamma‘ was soviel bedeutet wie Brust oder Warze, ab. Die Verkleinerungsform ‘mamilla‘ löste dann unter den Liebhabern einen Krieg über die richtige Schreibweise aus, Mamillaria oder Mammillaria. Bei einem botanischen Kongress in Cambridge wurde 1930 dann

Mammillaria hahniana

endgültig die Schreibweise Mammillaria als die richtige definiert. Doch auch Jahre später konnte man in Sammlungen immer noch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Darstellung antreffen (Mamillaria, Mammilaria und Mammillaria).

Mammillaria herrerae

Frühere Pflanzensammler und –kenner dieser Gattung versuchten ein Schema oder eine Gliederungen vor zu geben um Pflanzen mit gleichen Merkmalen richtig ein zuordnen. 1837 erkannte Pfeiffer ca. 90 Arten an, wobei heute nicht mehr alle

Mammillaria huitzilopochtli

zur Gattung Mammillaria gezählt werden. Er stellte eine Untergliederung auf, die hauptsächlich auf der Bedornung und Beschaffenheit der Warzen beruhte. Lemaire 1839 und Salm-Dyck 1850 versuchten ebenfalls ein Schema auf zustellen welches sich auf die Warzenbeschaffenheit und äußerliche, vegetative Merkmale bezog.

Mammillaria laui ssp dasyacantha

In seiner Monographie der Cactaceae brachte Schumann 1898 die neu entdeckte Eigenschaft, Milchsaft führend oder nicht, in einer neuen Mammillarienklassifizierung unter. Dieses System bildete die Grundlage für alle danach folgenden Schemata. 1919 – 23 brachten Britton und Rose ihr Werk in 4 Bänden heraus und erkannten darin 150 Arten an. Sie trennten allerdings

Mammillaria parkinsonii

Coryphantha, Mamillopsis, Cochemiea, Bartschella, Phellosperma und Dolichothele von Mammillaria ab. Craig wiederum hat in seinem Mammillaria Handbook 1945, 238 Arten vorgestellt, ebenso 23 unklassifizierte, sowie 101 unnummerierte und somit 362 Arten anerkannt.

Mammillaria parkinsonii (mit heller Bedornung)
Mammillaria parkinsonii (Blütendetail)

1955 brachte Buxbaum sein Schema und die Untersuchungsergebnisse über die Samenmorphologie und –anatomie heraus. Die besagten, dass die damals zur Gattung Mammillaria gezählten Pflanzen nicht monophyletisch sind, d.h. nicht eines stammesge­schicht­lichen Ursprungs. Diese Systematik mit ihrem Splitting in

Mammillaria sempervivi

viele Gattungen und Untergattungen war zu unüber­sichtlich und für Fachleute und Liebhaber fast unverständlich. Backeberg versuchte dann 1958 – 62 wie Buxbaum die Bedeutung der geographischen Verbreitung mit in die Klassifizierung ein zu bringen und beschrieb 40 neue Arten. Insgesamt erkannte er ca 360 Arten an. Hunt wollte einen Kompromiss zwischen Buxbaum und Schumann finden und veröffentlichte 1971 einen Artikel: “Schumann’s System der Klassifizierung der Gattung Mammillaria.” Er belies insgesamt 224 Arten darin. Außerdem führte er den neuen Begriff ‘Gruppe’ ein.

Mammillaria zeilmanniana (deutscher Name Muttertagskaktus)

1981 brachte Pilbeam sein Werk “Mammillaria, a collector’s guide” heraus. Er übernimmt in Absprache mit Hunt dessen Klassifizierung und erkennt ca. 210 Arten an. Das ausführlichste und beste Werk in deutscher Sprache, über diese Gattung, ist jedoch Reppenhagen zu verdanken. Der 1991 die Monographie Mammillaria in 2 Bänden heraus gab und darin 320 Arten aufführte. Im Jahre 1995 veröffentlichte Lüthy seine Ergebnisse der taxonomischen Untersuchung mit dem AfM zusammen und erkennt nur noch 150 Arten an. Das letzte größere Werk über die Gattung Mammillaria brachte Pilbeam dann 1999 heraus (The Cactus File Handbook) Hier führt er dann 308 Arten und Subspezies auf.
Wie man sieht war es und ist es bis heute eine wechselvolle Geschichte welche diese Gattung unterliegt. Darum muss jeder für sich entscheiden welcher Experte der richtige für die Zuordnung und Namensgebung der eigenen Pflanzensammlung sein soll.