Dornen (be)stechend schön

Verteidigung, Sonnenschutz und Tropfbewässerung

Keine Rose ohne Dornen, halt das stimmt nicht, denn Rosen haben Stacheln. Das hat sich leider falsch in unserem Sprachgebrauch fest gesetzt. In der Lyrik war der Begriff Dornen wohl besser geeignet zum Reimen als Stacheln.
Stacheln sind nicht mit der Epidermis (Oberhaut) verwachsen sie können deshalb leichter abgebrochen werden und sind keine umgewandelten Organe wie es bei den Dornen der Fall ist.

Rosen schmücken Stacheln ©DornenProjekt
Rosen schmücken Stacheln ©DornenProjekt

Dornen sind reduzierte Blätter

Dornen sind eigentlich reduzierte Blätter und deshalb ideales Zubehör der Kakteen. Es erfolgt darüber keine Verdunstung, sie wachsen aus den Areolen. Areolen sind entwicklungstechnisch gesehen zurück gebildete Sprosse, ähnlich den schlafenden Augen bei den Bäumen. Dornen spenden einen gewissen Grad an Beschattung für die Epidermis und im Scheitel der Pflanzen. Es sind extreme Bewaffnungen die eine Länge von 20cm erreichen können und stabil genug um Fressfeinde ab zu wehren.

Stetsonia coryne ©DornenProjekt
Stetsonia coryne ©DornenProjekt


Jede Form von Feuchtigkeit fangen sie auf um sie dann ähnlich einer Tropfbewässerung zu den Oberflächenwurzeln am Fuß der Pflanze zu leiten.

Ferocactus histrix ©DornenProjekt
Ferocactus histrix ©DornenProjekt


Manche Dornen sind mit Rillen ausgestattet, wie bei Ferocactus histrix, andere umschließen den Stamm fast vollständig oder sie wirken wie mit Filz überzogen, zu sehen bei Gymnocalycium tillianum.

Gymnocalycium tillianum mit dem weißen Filzbelag ©DornenProjekt
Gymnocalycium tillianum mit dem weißen Filzbelag ©DornenProjekt


Die feinen, fiederartigen Dornen von Mammillaria duwei verdecken den Pflanzenkörper vollständig, selbst die kleinen, hakigen Mitteldornen sind mit einem filzigen Belag überzogen.

Mammillaria duwei gefiederte Dornen ©DornenProjekt
Mammillaria duwei gefiederte Dornen ©DornenProjekt


Damit wird die Oberfläche enorm vergrößert und wirklich jedes noch so feine Tröpfchen an Feuchtigkeit aufgefangen.

Pelecyphora aselliformis, die eng anliegenden Dornen wirken wie Tiere ©DornenProjekt
Pelecyphora aselliformis, die eng anliegenden Dornen wirken wie Tiere ©DornenProjekt


Dornen können die unterschiedlichsten Formen aufweisen, wie bei Pelecyphora aselliformis oder bei Sulcorebutia augustinii, Asseln ähnlich,

Sulcorebutia augustinii ©DornenProjekt
Sulcorebutia augustinii ©DornenProjekt


bei Gymnocalycium triacanthum wirken sie wie Spinnentiere.

Gymnocalycium triacanthum Dornen wirken wie Spinnentiere ©DornenProjekt
Gymnocalycium triacanthum Dornen wirken wie Spinnentiere ©DornenProjekt


Ein undurchdringlichen Dornendschungel bildet Cylindropuntia lloydii, wenn man sie unkontrolliert wachsen lässt.

Cylindropuntia lloydii 'Bitte nicht berühren' ©DornenProjekt
Cylindropuntia lloydii ‚Bitte nicht berühren‘ ©DornenProjekt


Papierartig und fast durchsichtig wirken die langen Dornen von Tephrocactus clavatus und Tephrocactus papyracanthus im Gegenlicht.

Tephrocactus clavatus ©DornenProjekt
Tephrocactus clavatus ©DornenProjekt


Viel gemeiner sind aber die kleinen mit Glochiden (Widerhaken) besetzten Dornengrüppchen an der Basis der großen Dornen. Wer einmal diese Dörnchen in der Haut stecken hatte, weiß, dass man einige Tage ’seine Freude‘ daran hat. Will man sie heraus ziehen, brechen sie bei der geringsten Berührung sofort ab.

Tephrocactus articulatus var symicatus mit roten Glochiden an der Dornenbasis ©DornenProjekt
Tephrocactus articulatus var symicatus mit roten Glochiden an der Dornenbasis ©DornenProjekt

andere Sukkulenten tragen keine Dornen

Sukkulenten dagegen haben keine Dornen es sind Dorn ähnliche Auswüchse die sie sich zugelegt haben. Es sind gleiche Entwicklungen zwischen Pflanzen des amerikanischen und afrikanischen Kontinents zu beobachten. Durch ähnliche Umwelteinflüsse und Standortbedingungen haben sich diese besonderen Merkmale durchgesetzt und bewährt.

Agave stricta mit bis zu 2cm langen Dornenspitzen ©DornenProjekt
Agave stricta mit bis zu 2cm langen Dornenspitzen ©DornenProjekt

Neben Dornen kann es Stammformen, Rippenbildung, verdickte Wurzeln (Caudex) und Behaarung betreffen. Man spricht dann von einer Konvergenz, also ähnlichem Verhalten oder Entwicklungsstadien im Laufe der Jahrmillionen.

Aloe arborescens Neutrieb ©DornenProjekt
Aloe arborescens Neutrieb ©DornenProjekt

Die zu den anderen Sukkulenten zählende Agave stricta mit ihren dunklen bis ca. 2cm langen stechenden, verhornten Spitzen, Aloe arborescens mit ihren scharfen, dornartigen Blatträndern oder Trichodiadema densum deren Trichome (Pflanzenhaare) aussehen als wären die Blättchen mit dünnen Dornen bestückt.

Trichodiadema densum ©DornenProjekt
Trichodiadema densum die auf den Blattspitzen sitzende Trichome ähneln Dornen ©DornenProjekt


Mehr zu diesem und verwandte Themen findet ihr im Buch Kakteen und Sukkulenten erschienen im Quelle & Meyer Verlag, Autor Michael Januschkowetz

 

One Reply to “Dornen (be)stechend schön”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.